Ailingen ist selbst in Schräglage nicht zu stoppen

Im Derby der Handball-Bezirksklasse setzt sich die TSG gegen Lindau mit 33:20 durch

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Auf der Anzeigetafel leuchtet in roten Ziffern ein Handball-Ergebnis auf, das im Aktivenbereich Seltenheitswert genießt. 15:5 steht an der Wand geschrieben - und es ist gerade einmal Halbzeit. So geschehen gestern Abend in der Bezirksklasse Bodensee im Derby zwischen der TSG Ailingen und dem TSV Lindau.
Während Lindaus Trainer Lukas Meier wild gestikulierend auf seine Spieler einredet, ihnen sagt, "dass man sich so nicht präsentieren kann und in der Abwehr konsequenter zu Werke gehen muss", wird auch Ailingens Coach Holger Heerdt in der Kabine einige Dinge klar angesprochen haben. Wahrscheinlich Worte wie "das ist noch nicht gewonnen, konsequent durchspielen oder nicht zu überhastet abschließen."

Schneid abgekauft
Genau das "konsequent durchspielen" hatten seine TSG-Jungs von Beginn an beherzigt - und wie. Sie kauften den Gästen aus Bayern, die nicht ihren besten Tag erwischten, den Schneid ab. Nach zehn Minuten stand es 7:1, nach einem Drittel der Spielzeit gar 11:2.
Während es auf der Ailinger Bank und oben auf den Zuschauerrängen fröhlich und entspannt zuging, lief Meier nervös auf und ab, versuchte sein Team irgendwie in die Spur zu bekommen. Das klappte im zweiten Durchgang, zumindest in Ansätzen. Aber natürlich auch, weil die Gastgeber im Gefühl des sicheren Sieges in der Defensive nicht mehr ganz mit dem Kopf bei der Sache waren. Das monierte auch Holger Heerdt, der zehn Minuten vor Spielende beim Stand von 29:16 seine Formation beinahe komplett austauschte. Das hätten die Lindauer auch gerne gemacht, der Tabellenneunte klagte hinterher über personellen Aderlass im Rückraum. "Und trainieren könnten wir auch nicht", erklärte Lukas Meier.
In der Schlussphase hatte der TSV Lindau seine technischen Fehler beinahe abgestellt, ließ aber nach wie vor einige Würfe ungenutzt. Dabei erzielten sie zum 20:33-Endstand alleine in der zweiten Halbzeit 15 Treffer.

TSG-Trainer kritisiert
Viel zu viele, zumindest wenn es nach den Hausherren geht. "Da hatten wir die Chance, der Konkurrenz richtig einen vorzulegen und lassen richtig nach", erklärte Heerdt. "Wenn man einen Gegner derart beherrscht, dann muss man es auch über die gesamten 60 Minuten durchziehen." Während sich die TSG Ailingen vom Publikum mit Szenen-Applaus feiern ließ, schlichen Simon Wiedrich und Co. mit hängenden Köpfen in die Kabine.
Irgendwie hatten sie sich den Start ins neue Jahr anders vorgestellt. Der siebenfache Torschütze Lars Rossi und seine Ailinger Mitspieler hingegen verbesserten sich auf Rang drei und wollen auch in den kommenden Partien beweisen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Und - so wünscht es sich TSG-Trainer Heerdt - "mannschaftlich geschlossen und über die volle Distanz."
Das sollte auch der TSV Lindau beherzigen, damit er nicht noch weiter in den Tabellenkeller rutscht. Kommende Woche geht es für die Lindauer zum HCL Vogt. Die Partie findet am Samstag, 14. Januar, statt.

TSG Allingen: David Pietsch, Löchle (Tor); Lars Rossi (7/4), Marc Kuttler (6), Ficht (4), Manuel Kuttler (4), Sadowski (4), Felbinger (3), Philipp Pietsch (2), Oliver Rossi (1), Locher (1), Mayer (1), Wallkum

Thomas Schlichte: "Ailingen ist selbst in Schräglage nicht zu stoppen", Erschienen am 09.01.2012 in der Schwäbischen Zeitung